Heizölfahrer rettet Rentnerin das Leben

Im Ortsteil Dahlem in einem kleinen Mehrparteienhaus ist Monika Gruber ein wenig ungeduldig. Sie ist in Warteposition, denn für heute hatte sich der Heizölwagen angekündigt, der das Haus, in dem sie schon lange lebt, regelmäßig mit Heizöl versorgt.

„Wenn die Hausverwaltung Öl bestellt, dann kümmere ich mich schon seit einigen Jahren darum, dass jemand zu Hause ist. Schließlich muss ja einer dafür sorgen, dass der Einfüllstutzen zugänglich ist“. So auch heute. Nichts deutete darauf hin, dass dieser Tag und diese Heizöllieferung so ganz anders als sonst verlaufen sollten.

Heizölfahrer Knut Schmidt hatte schon einige Kunden mit Heizöl beliefert, bevor er mit seinem Tankzug in die Bernadottestraße einbog. „Oh Mann, der hat aber blöd geparkt“, denkt er sich. Ein Auto steht direkt vor dem Zugang zum Haus, das er schon häufiger beliefert hat. Er ahnt bereits beim Anfahren, dass der Schlauch nicht reichen wird. „Es nützt nichts, ich kann den Wagen ja nicht wegschieben. Dann versuche ich es eben“, denkt er sich und fängt an, den Schlauch in Richtung Hauszugang zu bewegen.

Monika Gruber sieht den Heizölwagen und eilt zum Gartentor, um Knut Schmidt den Weg auf dem Grundstück freizumachen. Nach einer kurzen, freundlichen Begrüßung geht sie voran in Richtung Keller. Auf dem Weg grüßt sie noch kurz die beiden Anwohner, die draußen ein kleines Gespräch führen. Was danach passiert, weiß sie später nicht mehr.

Als Knut Schmidt den Schlauch weiter ausrollt, fällt sein Blick auf den Weg – und er registriert, dass Monika Gruber auf dem Boden liegt. „Sie lag direkt neben der Treppe, relativ regungslos“. Seine Reaktion ist goldrichtig: Während er die beiden Anwohner darum bittet, sofort den Notarzt zu rufen, spricht er die Rentnerin an und bringt sie in die stabile Seitenlage. „Das war ein Reflex, da habe ich gar nicht viel drüber nachgedacht“. Und als sie darum bittet, wegen einem Druck in der Herzgegend gedreht zu werden, da tut er auch das.  Während Monika Gruber zunächst noch ansprechbar ist, verliert sie kurz darauf das Bewusstsein. „Ich habe keine Regung mehr erkennen können“. Und so beginnt Knut Schmidt direkt mit der Herzdruckmassage. „Es war zwar schon ewig her, dass ich den Rotkreuz-Schein für den Führerschein gemacht habe, aber man muss ja doch was tun in so einer Situation“. Schon nach kurzer Zeit kommt der alarmierte Rettungswagen. Auch der Notarzt trifft bald danach ein. „Es sind sicher nur 5 oder 6 Minuten vergangen, bis Hilfe da war. So lange habe ich einfach weitergemacht“. Die Fachleute übernehmen sofort die Versorgung der leblosen Frau, zunächst vor Ort und später noch im Rettungswagen.

Knut Schmidt lässt die Anwohner eine Decke und ein Kopfkissen holen. „Da war so ein spitzer Stein, da konnten wir sie ja nicht so liegen lassen. Es war ja schließlich Ende Januar. Auch, wenn die Sonne schien, war es doch ganz schön kalt“. Monika Gruber wird erst im Krankenhaus wieder wach. Dort wird ihr von ihrem Schutzengel berichtet, der ihr das Leben gerettet hat. Tatsächlich war sie 4 Minuten lang klinisch tot. Ohne das beherzte Eingreifen ihres Lebensretters hätte sie ihren 84. Geburtstag nicht mehr feiern können. „Eigentlich habe ich im Krankenhaus gleich zweimal Geburtstag gehabt. Ich habe einfach ganz großes Glück gehabt, dass Herr Schmidt zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Ohne seine Hilfe wäre ich nicht mehr hier“. Eine Lungenembolie nach einer nicht erkannten Thrombose führte zu einem Herzstillstand bei der rüstigen Rentnerin, die eigentlich immer viel unternommen hat. „Ich war zum Kameltrekking in Afrika und bin immer viel gewandert. Jetzt muss ich erstmal darauf vertrauen, dass ich alleine durch die Gegend gehen kann“.

Ein Anliegen bleibt, das sie direkt nach ihrem Krankenhausaufenthalt angeht. Sie erkundigt sich im Berliner Vertriebsbüro der team energie GmbH & Co. KG nach der Anschrift ihres Lebensretters. Doch der Brief, den sie ihm schreibt, kommt unzustellbar zurück. Erneut ruft sie im Büro an. Und so wird die vorbildliche Aktion des Heizölfahrers überhaupt erst publik. Er selbst hatte nichts erzählt, sondern einfach weiter seine Arbeit gemacht. „Ja, man hat geholfen und es ist okay. Sie lebt, und das ist das Wichtigste“.

Monika Gruber sieht das anders. „Es ist eben nicht selbstverständlich, wie Knut Schmidt reagiert hat. Man kann ihm gar nicht genug danken für das, was er getan hat. Weder Geld noch Schokolade oder Blumen wiegen das auf, war er für mich getan hat“. Ihre Angehörigen und sämtliche Kollegen des bescheidenen Lebensretters sind der gleichen Ansicht. Für seinen vorbildlichen Einsatz bedankt sich nicht nur Monika Gruber von Herzen. Auch in der team energie GmbH & Co. KG, die zur Sparte Energie der team Gruppe aus Norddeutschland gehört, wird sein Handeln geschätzt und gewürdigt. In einem eigens verabredeten Wiedersehen überreicht Standortverantwortlicher Johannes Schuberth seinem Mitarbeiter neben dem herzlichen Dank in Anerkennung seiner Leistung eine Prämie in Höhe von 500 €. „Wir wollen damit ganz sicher nicht den Wert eines Lebens beziffern. Aber auf jeden Fall wollen wir Knut und auch Frau Gruber zeigen, wie froh wir sind, so einen tollen Mitarbeiter in unseren Reihen zu haben! Und natürlich auch, dass ein bisschen Heldenmut sich auch auszahlen kann“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Mit jeder Minute, die bis zum Beginn der Reanimationsmaßnahmen vergeht, verringert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit des Betroffenen um etwa zehn Prozent. Wird nach einem Herzstillstand nicht innerhalb von fünf Minuten mit der Herzdruckmassage begonnen, ist ein Überleben unwahrscheinlich. „Egal, wie lange der Erste-Hilfe-Kurs zurückliegt - jede Hilfe kann ein Leben retten. Es wäre toll, wenn möglichst viele Menschen so wie Knut Schmidt handeln würden“, bringt Johannes Schuberth es auf den Punkt.