Agrar

Erster Agrargroßhändler in Deutschland kauft CO2-reduzierten Dünger

team agrar zeichnet Vertrag über 2.500 Tonnen CO2-reduzierten Dünger von Yara. Einsparung von rund 900 Tonnen CO2 erwartet.

Drei Männer in Anzügen vor eine Präsentation
Von rechts: Marco Fleischmann (Geschäftsführer von Yara Deutschland), Joschka Knuth (Staatssekretär im Ministerium für Energiewende) und Bent Nissen (Geschäftsführer team agrar)

Der Agrarhändler team agrar und der Düngemittelhersteller Yara haben heute in Osterrönfeld den weltweit ersten Liefervertrag über 2.500 Tonnen CO2reduzierten Dünger unterzeichnet. team agrar kauft damit erstmals eine große Menge YaraBela Climate Choice Lower Carbon.  Beide Unternehmen setzen damit ein Signal an die gesamte Branche: CO2-reduzierter Dünger ist marktreif und kommt jetzt in der Fläche an. Die Ware wird ab Dezember 2026 geliefert und ab dem Frühjahr 2027 auf den Feldern eingesetzt. Die Einsparung beträgt bis zu 900 Tonnen CO2-Äquivalenten gegenüber konventionell hergestelltem Dünger.

Schleswig-Holstein als Vorbild

Dass dieser Schritt in Schleswig-Holstein erfolgt, ist kein Zufall. Das Land verbindet eine moderne, leistungsfähige Landwirtschaft mit einer Vorreiterrolle bei der Energiewende: Schleswig-Holstein deckt rechnerisch rund 180 Prozent seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien. Mit dem Standort Brunsbüttel ist Yara zudem selbst im Land verwurzelt. Wo Landwirtschaft und klimafreundliche Energie so eng zusammenkommen, kann die Dekarbonisierung der Lebensmittelproduktion beginnen - und von hier aus Schule machen. Mit der Düngermenge können Kulturen auf rund 3.500 bis 4.000 Hektar Anbaufläche mit

Stickstoff versorgt werden - das entspricht etwa der Fläche von 5.000 Fußballfeldern, ca. 175.000 t Kartoffeln oder auch rund 450.000 Millionen Brötchen. Für die Landwirt:innen ändert sich in der Praxis nichts: Der Dünger wird wie gewohnt ausgebracht. An wen die Ware vertrieben wird, verhandelt team agrar derzeit mit verschiedenen Partnern entlang der Lebensmittel-Wertschöpfungskette.

So entsteht der CO2-reduzierte Dünger

Das Ammoniak für YaraBela Climate Choice Low Carbon wird im Yara-Werk im niederländischen Sluiskil hergestellt. Dort hat Yara im September 2026 die größte kommerzielle CO2-Abscheidungsanlage Europas in Betrieb genommen: Bis zu 800.000 Tonnen CO2 pro Jahr werden bei der Ammoniakproduktion abgeschieden, verflüssigt, per Schiff nach Norwegen transportiert und dort rund 2.600 Meter unter dem Meeresboden eingeschlossen, wo es über die Zeit versteinert (Carbon Capture & Storage, CCS). Yara ist damit der erste Düngemittelhersteller, der ein komplettes Werk auf CCS-Technologie umgestellt hat. Mit diesem Ammoniak wird im norddeutschen Yara-Werk Rostock der CO2reduzierte Dünger produziert.

Gemeinsam den Markt entwickeln

Yara und team agrar arbeiten seit vielen Jahren zusammen. Mit dem Vertrag wollen beide Unternehmen den Markt für CO2-reduzierte Düngemittel gemeinsam aufbauen. Den Absatz der Produkte übernehmen Yara und team agrar gemeinsam. Denn diese Art der Herstellung von Stickstoffdüngern ist einer der größten und effizientesten Hebel für die Verbesserung der Klimabilanz von Lebensmitteln.

Die aktualisierten Leitlinien der Science Based Targets initiative (SBTi) und des Treibhausgasprotokolls (GHG-Protocol) machen den Schritt auch für lebensmittelverarbeitende Betriebe und den Einzelhandel attraktiv. Unternehmen können CO2-Einsparungen aus reduziertem Dünger künftig in ihrer Scope-3-Bilanz geltend machen, wenn der Dünger in dieselbe Region geliefert wird, aus der ihre Ernte stammt – ohne Rückverfolgung bis zum einzelnen Feld.

Haltung als Wettbewerbsvorteil

Für team agrar ist der Kauf Teil einer klaren Linie. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine bezieht das Unternehmen keinen Dünger aus Russland oder Belarus. Der dadurch entstandene Wettbewerbsnachteil ist inzwischen ausgeglichen: team agrar hat langfristige Partnerschaften mit europäischen Lieferanten aufgebaut und stärkt damit die europäische Wirtschaft. Von Yara in Europa hergestellte Dünger haben einen um bis zu 50 bis 60 Prozent geringeren CO2Fußabdruck als z.B. in Russland oder Belarus gefertigte Dünger. Ihre Verwendung ist daher der erste Schritt zur Dekarbonisierung der Lebensmittel-Wertschöpfungskette.

„Unser Leitbild ist der genossenschaftliche Gedanke: Zusammen arbeiten wir an einer besseren Zukunft für alle“, sagt Bent Nissen, Geschäftsführer team agrar. „CO2-Reduktion wird in unserer Branche eine immer größere Rolle spielen. Wir wollen hier Vorreiter sein – nicht erst, wenn es alle tun. Deshalb investieren wir gezielt in CO2-reduzierte Düngemittel und bieten unserer Kundschaft schon heute eine Lösung, mit der sie ihre Klimabilanz messbar verbessern kann.“

„CO2-reduzierter Dünger ist eine der größten und zugleich einfachsten Stellschrauben, um die Lebensmittelproduktion zu dekarbonisieren“, erklärt Marco Fleischmann, Geschäftsführer Yara Deutschland. „Den Markt dafür können wir nur gemeinsam skalieren. Mit team agrar haben wir einen Partner, der vorangeht und zeigt, dass Klimaschutz in der Landwirtschaft heute schon praxistauglich ist.“

Und Joschka Knuth, Staatssekretär im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur betont: „Europäisch produziert und CO2-reduziert, das ist die Zukunft für unabhängiges und klimafreundliches Wirtschaften. Yara und team agrar machen es vor und stärken damit unsere Resilienz in einem entscheidenden Sektor: Unserer Lebensmittelproduktion.

Über Yara

Yara wurde 1905 in Norwegen gegründet und ist ein weltweit führender Anbieter von Pflanzenernährung und Ammoniak. Das Unternehmen ist in über 60 Ländern tätig, beliefert mehr als 140 Märkte und beschäftigt rund 15.700 Mitarbeitende. 2025 erzielte Yara einen Umsatz von 15,7 Mrd.  USD. In Deutschland betreibt Yara unter anderem ein Ammoniak-Werk in Brunsbüttel und ein Düngemittelwerk in Rostock.

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