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Ernte 2024: Ein Überblick für Landwirte

Ihr team agrar informiert über die wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Ernte.

Zwei Traktoren arbeiten auf einem Feld mit dem Meer im Hintergrund.

Die Erntezeit ist der Höhepunkt des Jahres in der Landwirtschaft, in dem alle Anstrengungen und Pflegearbeiten der vergangenen Monate Früchte tragen. Ziel ist es, die Erzeugnisse zum optimalen Zeitpunkt zu ernten, um maximale Erträge zu erzielen und Verluste zu minimieren. Der Erfolg der Ernte wird maßgeblich durch verschiedene Faktoren bestimmt: die Wetterbedingungen, die präzise Bestimmung des Erntezeitpunkts, die effiziente Durchführung aller erforderlichen Arbeiten sowie der Einsatz moderner Landmaschinen. Nur durch die bestmögliche Abstimmung dieser Parameter kann die Ernte optimal eingebracht werden.

Wann ist Erntezeit und wovon ist dies abhängig?

Ein Mähdrescher bei der Ernte im Sonnenuntergang.

Der richtige Zeitpunkt der Ernte wird vom Landwirt durch die Berücksichtigung mehrerer Faktoren und Erfahrungswerte festgelegt. Das Wetter ist dabei entscheidend. Daher variiert die Erntezeit stark je nach Region und Wetterbedingungen.

Im Geschäftsgebiet von team agrar beginnt die Gerstenernte in Schleswig-Holstein etwa am 10. Juli, während sie in den Frühdruschgebieten Brandenburgs oft schon zwei Wochen früher startet. Dieses Jahr ist die Natur etwa 10 Tage voraus, allerdings können sich diese Unterschiede im Laufe der Saison ausgleichen. In nassen Jahren kann sich die Weizenernte bis Ende August ziehen, während Bohnen typischerweise erst im September und Körnermais bis weit in den Oktober geerntet werden.

Neben den Witterungsbedingungen stellt der Feuchtigkeitsgehalt bei Getreide einen weiteren wichtigen Aspekt bei der Ernte dar. Wenn das Korn die passende Härte und einen Wassergehalt von unter 14 % aufweist, kann mit der Ernte begonnen werden.

Unter ungünstigen Witterungsbedingungen kann es jedoch notwendig sein, Getreide trotz zu hoher Feuchtigkeit oder unreifem Stroh zu ernten, um Qualitätsverluste oder Pilzbefall zu vermeiden. In diesem Fall muss das Getreide nachträglich getrocknet oder anderweitig geschützt werden, damit es nicht verdirbt.

Einflussfaktoren auf die Erntezeit

  • Geografische Lage:
    Unterschiedliche Regionen haben unterschiedliche klimatische Bedingungen, die den Beginn und Verlauf der Ernte beeinflussen.

  • Wetterbedingungen:
    Das Wetter spielt eine entscheidende Rolle. Warme und trockene Perioden beschleunigen die Reifung, während nasse und kühle Phasen sie verzögern können.

  • Jahresverlauf:
    Jedes Jahr ist einzigartig. In manchen Jahren liegt die Natur 10 Tage voraus, in anderen Jahren gleicht sich der Vorsprung durch wechselhafte Witterung wieder aus.

  • Kulturarten:
    Verschiedene Getreidesorten und andere Feldfrüchte haben unterschiedliche Erntezeiten. Zum Beispiel wird Wintergerste früher geerntet als Weizen, Bohnen später als Weizen und Körnermais noch später.

Relevante Parameter für die Getreidequalität

Die Qualität des Getreides wird durch eine Vielzahl von Parametern bestimmt, die je nach Verwendungszweck unterschiedlich gewichtet werden. Diese Parameter beeinflussen sowohl die Verarbeitungseigenschaften als auch den Marktwert des Getreides.

Hektolitergewicht

Das Hektolitergewicht (hl-Gewicht) ist ein Maß für die Dichte des Getreides und wird in Kilogramm pro Hektoliter angegeben. Es ist ein Indikator für die Schüttdichte und somit für die Lager- und Verarbeitungseigenschaften des Getreides:

  • Hohes Hektolitergewicht: Deutet auf dichte und gut ausgebildete Körner hin, was auf eine gute Qualität und hohe Ausbeute bei der Verarbeitung hindeutet.

  • Niedriges Hektolitergewicht: Kann auf eine geringere Kornqualität und mögliche Probleme bei der Lagerung hinweisen, da lockerere Körner mehr Platz einnehmen und die Lagerkapazität verringern.

Feuchtigkeit

Der Feuchtigkeitsgehalt des Getreides ist einer der wichtigsten Parameter, der bereits bei der Ernte eine entscheidende Rolle spielt. Frisch geerntetes Getreide enthält in der Regel eine hohe Menge an Feuchtigkeit, die für die Lagerung reduziert werden muss. Zu hohe Feuchtigkeitsgehalte können zu mehreren Problemen führen:

  • Schimmelbildung: Feuchtes Getreide bietet einen idealen Nährboden für Schimmelpilze, die sich schnell vermehren können. Schimmelbefall kann nicht nur die Qualität des Getreides beeinträchtigen, sondern auch gesundheitsschädliche Mykotoxine produzieren.

  • Lagerfähigkeit: Feuchtes Getreide ist schwer zu lagern, da es dazu neigt, zu klumpen und die Belüftung innerhalb der Silos zu behindern. Dies kann die Lagerfähigkeit erheblich reduzieren und das Risiko von Verderb erhöhen.

Um diese Risiken zu minimieren, wird das Getreide häufig getrocknet, bevor es eingelagert wird. Moderne Trocknungstechniken sorgen dafür, dass die Feuchtigkeit auf ein sicheres Niveau gesenkt wird, um eine langfristige Lagerung zu ermöglichen.

Proteingehalt

Der Proteingehalt ist ein entscheidender Qualitätsparameter, insbesondere bei Weizen, der für verschiedene Anwendungen unterschiedlich bewertet wird:

  • Futterweizen: Futterweizen weist in der Regel einen niedrigeren Proteingehalt auf und wird hauptsächlich zur Herstellung von Tierfutter verwendet. Der Proteingehalt ist hier weniger entscheidend als der Energiegehalt des Getreides.

  • Backweizen: Backweizen muss einen bestimmten Proteingehalt aufweisen, um die gewünschten Backeigenschaften zu erreichen. Ein höherer Proteingehalt verbessert die Glutenbildung und sorgt für ein besseres Gashaltevermögen des Teigs, was zu einer besseren Krume und größeren Volumen der Backwaren führt.

  • Qualitätsweizen: Dieser Weizen hat einen noch höheren Proteingehalt und wird für spezielle Backwaren und Qualitätsprodukte verwendet. In einigen Regionen gibt es die Kategorie des Eliteweizens, der mindestens 14 % Protein enthalten muss. Dieser Weizen wird für anspruchsvolle Backwaren und hochwertige Lebensmittel verwendet.

Fallzahl (Hagberg-Falling-Number)

Die Fallzahl ist ein Indikator für die enzymatische Aktivität im Getreide, insbesondere bei Weizen und Roggen. Sie gibt Aufschluss über die Backfähigkeit des Mehls:

  • Hohe Fallzahl: Deutet auf geringe enzymatische Aktivität hin und ist ein Zeichen für hochwertige Backqualität. Teige aus Mehl mit hoher Fallzahl haben bessere Backeigenschaften und sind stabiler.

  • Niedrige Fallzahl: Weist auf hohe enzymatische Aktivität hin, was auf eine Vorreife oder sogar auf eine Keimung des Getreides hinweisen kann. Dies führt zu minderer Backqualität, da die Teige instabil werden und das Brotvolumen geringer ist.

Reinheit und Unkrautbesatz

Die Reinheit des Getreides bezieht sich auf den Anteil an Fremdstoffen und Unkrautsamen im geernteten Material. Eine hohe Reinheit ist wichtig für die Weiterverarbeitung und den Marktwert des Getreides:

  • Reinheit: Hohe Reinheit bedeutet, dass das Getreide frei von Fremdstoffen wie Steinen, Erde und anderen unerwünschten Materialien ist. Dies ist wichtig für die Verarbeitung und die Qualität der Endprodukte.

  • Unkrautbesatz: Ein hoher Unkrautbesatz kann die Verarbeitung erschweren und die Qualität des Endprodukts beeinträchtigen. Unkrautsamen können zudem unerwünschte Stoffe enthalten, die die Qualität des Getreides mindern.

Schädlingsfreiheit

Die Abwesenheit von Schädlingen ist ein weiterer wichtiger Qualitätsparameter. Schädlinge können während der Lagerung erheblichen Schaden anrichten und die Qualität des Getreides beeinträchtigen:

  • Lebende Schädlinge: Ihre Präsenz weist auf Probleme in der Lagerung hin und kann zur Ablehnung ganzer Partien führen.

  • Tote Schädlinge und Schädlingsreste: Diese können ebenfalls die Qualität und den Marktwert des Getreides mindern.

Diese Faktoren sollten sorgfältig überwacht und kontrolliert werden, um eine optimale Verwertung und Vermarktung zu gewährleisten.

Verarbeitung und Lagerung des angelieferten Getreides

Ein Mann steht auf Getreidebergen und führt Qualitätsmanagement im Lager durch

Nach der Ernte ist die richtige Verarbeitung und Lagerung des angelieferten Getreides entscheidend, um Qualität und Wert des Produkts zu erhalten. Dieser Prozess umfasst mehrere Schritte, die sorgfältig koordiniert werden müssen, um Verluste zu minimieren und die Marktfähigkeit des Getreides zu gewährleisten.

Lagerung des Getreides

Unmittelbar nach der Ernte wird das Getreide in speziellen Lagereinrichtungen untergebracht. Hierbei spielt die Feuchtigkeit des Getreides eine entscheidende Rolle. Zu hohe Feuchtigkeitswerte können zur Bildung von Schimmel und Mykotoxinen führen, die das Getreide unbrauchbar machen. Daher ist es oft notwendig, das Getreide vor der Einlagerung zu trocknen. Dieser Prozess reduziert die Feuchtigkeit auf ein sicheres Niveau und verhindert die Entwicklung von schädlichen Mikroorganismen.

Trocknung des Getreides

Die Trocknung ist ein kritischer Schritt in der Nacherntebehandlung des Getreides. Abhängig vom Feuchtigkeitsgehalt kann dieser Prozess mehrere Stunden bis Tage dauern. Moderne Trocknungsanlagen arbeiten energieeffizient und schonend, um die Kornqualität zu bewahren. Ziel ist es, den Feuchtigkeitsgehalt auf unter 14 % zu senken, um eine sichere Lagerung zu gewährleisten.

Qualitätskontrolle und Sortierung

Vor der Lagerung wird das Getreide einer gründlichen Qualitätskontrolle unterzogen. Hierbei werden Parameter wie Feuchtigkeit, Proteingehalt, und Fremdkörperanteil geprüft. Anhand dieser Werte wird das Getreide sortiert und klassifiziert. Diese Qualitätskontrolle ist entscheidend, da sie den weiteren Verwendungszweck des Getreides bestimmt, sei es als Futterweizen, Backweizen oder für andere spezielle Anwendungen.

Lagerungstechniken

Das gelagerte Getreide muss unter optimalen Bedingungen aufbewahrt werden, um seine Qualität zu erhalten. Hierzu gehören:

  • Temperaturkontrolle: Die Lagerung bei konstant niedrigen Temperaturen reduziert das Risiko von Schimmelbildung und Insektenbefall.

  • Belüftung: Eine gute Luftzirkulation ist notwendig, um die Feuchtigkeit gleichmäßig zu verteilen und Kondensation zu vermeiden.

  • Regelmäßige Inspektionen: Regelmäßige Kontrollen des Lagerbestands helfen, mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Rundballennetze und Pressengarn

Transport und Export

Getreide wird mit Hilfe von einem Kran von einem Schiff gelöscht

Die Abnahme für den Export variiert je nach Jahr und kann früher oder später erfolgen. Das Getreide wird dann per LKW oder Binnenschiffen in die Exporthäfen transportiert. In Jahren mit großen Ernten und hohen Überschüssen geht die Nachfrage bis nach Mitteldeutschland.

Exportbereit gemachtes Getreide muss spezifischen Qualitätsstandards entsprechen, um internationalen Anforderungen zu genügen. Der Transport erfolgt entweder über Straßennetze oder Wasserwege. In vielen Fällen werden große Mengen Getreide in Silos in den Exporthäfen zwischengelagert, bevor sie auf Schiffe verladen werden. Dies ermöglicht eine flexible Reaktion auf Marktnachfragen und erleichtert die logistische Planung.

Herausforderungen und Lösungen

Die Lagerung und der Transport von Getreide bergen verschiedene Herausforderungen. Neben den klimatischen Einflüssen und der Notwendigkeit effizienter Lagertechniken sind auch Marktbedingungen ein wichtiger Faktor. In Jahren mit hohen Ernteerträgen und großen Überschüssen muss besonders auf eine schnelle und effiziente Logistik geachtet werden, um Engpässe zu vermeiden. Große Lagermöglichkeiten in den Häfen und eine gut koordinierte Transportinfrastruktur helfen dabei, diese Herausforderungen zu bewältigen.

Durch die sorgfältige Verarbeitung und Lagerung des Getreides nach der Ernte kann sichergestellt werden, dass die Qualität erhalten bleibt und das Produkt den Anforderungen der verschiedenen Märkte entspricht. Dies ermöglicht es, das Getreide zu fairen Preisen zu vermarkten und die Bedürfnisse der Verbraucher sowohl im Inland als auch im Ausland zu erfüllen.

Vermarktungsmöglichkeiten

Die Vermarktung des Getreides teilt sich in nationale und internationale Märkte:

  • National: Der Bedarf gliedert sich hauptsächlich in die Futterherstellung und das Mühlengeschäft. Eine stetige Verarbeitung ist hier entscheidend, da alle Verarbeiter auf eine gleichmäßige Auslastung angewiesen sind.

  • Export: Der Exportmarkt ist volatil und reagiert empfindlich auf Preisveränderungen an der Matif (Marché à Terme International de France). Hohe Preise können den Export kurzfristig stoppen, während wettbewerbsfähige Preise zu einer hohen Nachfrage und logistischen Engpässen führen können. Große Lagermöglichkeiten in den Häfen ermöglichen jedoch eine schnelle Reaktion auf Bedarfsspitzen, sodass mehrere Panamax-Schiffe (max. Schiffsgröße für den Panamakanal, ca. 65.000 Tonnen Ladevolumen) beladen werden können.

Weitere Informationen zu Vermarktungsmöglichkeiten und aktuelle Marktberichte finden Sie auf unserem team agrarportal.

Anteil der verschiedenen Getreidesorten

Der Anteil der verschiedenen Getreidesorten an der Gesamtproduktion schwankt stark je nach Region und Jahr. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) bietet jährlich Schätzungen und Berichte, die einen Überblick über die Anbauflächen und Ernteerträge der wichtigsten Getreidearten geben.

Hauptgetreidearten und ihre Anteile

Die folgende Auflistung gibt eine allgemeine Übersicht über die Anteile der wichtigsten Getreidearten an der Gesamtproduktion in Deutschland. Diese Anteile können jedoch von Jahr zu Jahr und von Region zu Region erheblich variieren.

Regionale Unterschiede

Die Anteile der verschiedenen Getreidesorten variieren erheblich zwischen den verschiedenen Anbauregionen Deutschlands:

  • Norddeutschland:
    Hier dominieren Weizen und Gerste, wobei Wintergerste eine bedeutende Rolle spielt.

  • Mitteldeutschland:
    Weizen ist auch hier die Hauptgetreideart, gefolgt von Gerste und Roggen.

  • Süddeutschland:
    In den südlichen Regionen ist der Anteil von Mais höher, während Weizen und Gerste weiterhin wichtige Kulturen sind.

  • Ostdeutschland:
    Diese Region hat einen höheren Anteil an Roggen und Triticale, bedingt durch die spezifischen klimatischen und Bodenverhältnisse.

Jahresabhängige Schwankungen

Die Anbauflächen und Ernteerträge der verschiedenen Getreidearten können von Jahr zu Jahr aufgrund von Witterungsbedingungen, Marktpreisen und politischen Entscheidungen erheblich schwanken. Der DRV veröffentlicht jährlich detaillierte Berichte und Schätzungen, die diese Schwankungen abbilden und Landwirten als Orientierungshilfe dienen.

Für aktuelle und detaillierte Informationen zu den Anbauflächen und Ernteerträgen der verschiedenen Getreidearten empfiehlt sich ein Blick auf die jährlichen Berichte des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV), die umfassende Daten und Analysen bieten. 

Mit diesen Informationen sind Sie bestens auf die Erntezeit vorbereitet und können Ihre Erträge optimal verwalten und vermarkten. Ihr team agrar wünscht Ihnen eine erfolgreiche Ernte!

Vertriebsmitarbeiter und Landwirt prüfen die Ernteergebnisse auf einem Getreidefeld

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